Das Strahlen der Materie

Zur Malerei von Heinrich Menches

Gustav Schörghofer SJ · Februar 2023

Seit der ersten Ausstellung von Heinrich Menches im JesuitenFoyer sind schon zwölf Jahre vergangen. 2011 waren von ihm Werke aus den Jahren nach 1985 zu sehen. In der jetzigen Ausstellung werden Werke aus den Jahren davor gezeigt. Hier ist nun der Anfang des Schaffens zu erkennen. Zu erkennen ist auch ein Weg, der damals begonnen hat.

In der Malerei von Heinrich Menches geht es um Farbe und Form. Farbe wird nicht als Attribut eines Gegenstandes verstanden, sondern als von allem Gegenstandsbezug befreite elementare Erscheinung. Die frühen Bilder ab Mitte der 60er Jahre sind schwer von Ölfarbe. Sie wird mit dem Pinsel pastos aufgetragen. Form schenkt diesem Farbgebrodel der Rhythmus der kurzen Pinselstriche. Sie modellieren die Farbe regelrecht. Diese kleinen Bilder haben eine Nähe zu Reliefs, so plastisch ist die Farbe auf die Fläche gesetzt. Sie sind eher dunkel gehalten. Eine stille Glut durchleuchtet diese knappen Flächen.

In den späten 60er Jahren setzt offenbar eine Periode verstärkter Suche nach der Form ein. Menches baut nun die Fläche aus hintereinander gestaffelten Farbflächen auf. Die Bilder habe eine klar überblickbare Tiefe, der Pinselstrich verliert seine Eigenmächtigkeit. Ein Element des Grotesken ist diesen Bildern auch zu eigen. Es gibt Bezüge zu bekannten Werken alter Kunst. Die Farbflächen sind meist homogen, die Farbe nur wenig changiert. Ein bisschen erinnern diese Arbeiten an Pop-Art. Die Verwendung von viel Rosa ist auffallend. Hier findet offenbar eine Klärung des Bildaufbaus statt, eine Wendung zur strengen Form.

Heinrich Menches besitzt eine Liebe zu unscheinbaren Dingen. Schon die frühen Arbeiten zeigen das in ihrer Art, die Farbe als stilles Ding einzusetzen. In den 70er Jahren entdeckt Menches die Welt der Dinge für seine Malerei immer mehr. Wenn sie zuerst noch in der Art der streng konstruierten Bilder der späten 60er Jahre erscheinen, präzise gemalt und verhältnismäßig flach im Farbauftrag, so werden sie in den 80er Jahren zunehmend aus der pastos aufgetragenen Farbe erschaffen. Die Dinge werden nicht abgemalt, sondern aus der Eigenmächtigkeit der Farbe entsteht auf der Leinwand etwas, das an die Dinge erinnert. Die Farben werden leuchtender, bunter, heller. Sie besitzen etwas Strahlendes, eine strahlende Materie, die in dem Bild „Tschernobyl“ eine Doppelbedeutung annehmen kann.

Heinrich Menches ist ein Bildermaler. Er erschafft im kleinen Format seiner Malereien konzentrierte Welten, sei es im Farbgewühl der frühen Bilder, sei es in den flächig gehaltenen folgenden Arbeiten oder in den Stillleben der späteren Jahre. Das von ihm gestaltete Bild zeigt eine Verdichtung von Welt, keine gleichmäßig ausgebreitete Fläche. Diese Verdichtung verleiht den einfachen Dingen eine besondere Präsenz.

Auf den ersten Blick mag es scheinen, als hätten die Bilder von Heinrich Menches keinen Bezug zur Zeit ihres Entstehens. Einzig das „Tschernobyl“ betitelte Bild ist eine Ausnahme. Direkte Zeitbezüge sind Heinrich Menches tatsächlich fremd. Sein Werk bietet aber, in der Zeit des Wirtschaftsaufschwungs und zunehmenden Weltverbrauchs entstanden, eine Möglichkeit, die Welt der Dinge anders zu betrachten. In ihr nicht nur den Rohstoff für menschlichen Konsum zu sehen, sondern sie in ihrer Eigenheit zu entdecken. Dem Verbrauch und dem Verwandeln von Welt in Müll setzt das Werk von Heinrich Menches eine Wertschätzung der verworfenen oder vernachlässigten Dinge entgegen. Hier wird nicht mit erhobenem Zeigefinger zur „Bewahrung der Umwelt“ aufgerufen, sondern das Wunder des Einfachen und des still Vorhandenen gefeiert. Parallel zur Misere der Gegenwart hat Menches eine Welt geschaffen, deren Zauber den Sehenden immer neu Grund zu tiefer Freude schenkt.

Gustav Schörghofer SJ​​​​​​​​ (Februar 2023)

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